Leider
ist der Trainingsraum, obwohl er sehr erfolgreich war, aus finanziellen
Gründen auch im Schuljahr 2008/2009 nicht mehr in der
ursprünglich geplanten Form
möglich. Frau Lutz und Herr Neuber bemühten sich darum, eine
Schließung zu vermeiden - und sie waren erfolgreich: Den eigentlichen
Trainingsraum gibt es zwar nicht mehr, aber seine Grundidee besteht
weiter. Geändert haben sich lediglich die Räumlichkeiten.
1.
Situation an Schulen
Fragt man
Schüler danach, in welcher Atmosphäre sie am besten arbeiten und lernen
können,
so bekommt man die Auskunft, dass für ein erfolgreiches Lernen und
Arbeiten Ruhe, eine freundliche Stimmung und Gelassenheit notwendig
sind. Die Praxis in der Schule zeigt uns tagtäglich gänzlich andere
Bilder von Unterricht. Schüler mit auffälligem Verhalten nehmen zu,
Ruhe zum Arbeiten kehrt leider immer seltener ein. Störungen des
Unterrichts werden zur Normalität. Ermahnungen von Seiten der Lehrer
und vereinzelte Sanktionen lassen immer mehr störbereite Schüler kalt.
Die
lernwilligen Schüler können aufgrund der Unterrichtsstörungen einer
kleinen Gruppe von Mitschülern nicht in Ruhe lernen, müssen die
Störungen zumeist aushalten. Auch werden Lernbereite schnell in die
Ecke der Streber gestellt, die keinen Spaß mitmachen. Letztlich
diktieren die Störer die Stimmung und Lernatmosphäre in vielen
Unterrichtsstunden zum Nachteil der Lernbereiten und Lehrer.
2.
Die Idee des Trainingsraums
Mit der
Einführung eines Trainingsraums verfolgt man mehrere Ziele. Das erste
Ziel besteht darin, die lernbereiten Schüler zu schützen und ihnen
entspannten, ungestörten Unterricht anzubieten. Das zweite Ziel ist es,
häufig störenden Schülern Hilfen anzubieten. Die Hilfen sind darauf
ausgerichtet, deren Sozialverhalten zu verbessern und ihnen die
notwendigen sozialen Schlüsselqualifikationen zu vermitteln. Verhaltensweisen des
Schülers, die vom Inhalt und/oder der Form nicht zum Unterricht beitragen, werden als
Störungen betrachtet.
Ein störender Schüler
wird vom Lehrer respektvoll ermahnt.
Wenn er einlenkt, kann der Unterricht weitergehen. Wenn er nicht einlenkt, muss er die
Klasse verlassen und mit einem Infozettel in den „Trainingsraum für verantwortliches
Denken" gehen. Die Klasse kann dann weiter unterrichtet werden. Der Schüler kann nur in
die Klasse zurückkehren, wenn er einen Rückkehrplan erarbeitet. Dort schlägt er eine
Vereinbarung vor. Die Vereinbarung enthält eine sichtbare Alternative
zu dem störenden
Verhalten.
Der
Trainingsraumlehrer prüft den Vereinbarungsvorschlag des Schülers und stellt helfende
Fragen. Bei Störungen im Trainingsraum muss der Schüler nach Hause und kann nur dann
zurück in die Schule, wenn er mit einem Elternteil zu einem Beratungsgespräch
kommt. Der
Schüler geht mit dem Rückkehrplan zurück in den Unterricht. Der Schüler
darf bei der Rückkehr in den Unterricht keine Störung verursachen. Tut
er dies, wird der Plan nicht gelesen. Der Schüler muss sofort zurück in
den Trainingsraum gehen und seinen Plan verbessern. Die Pläne eines
Schülers werden miteinander verglichen und sollen sich verbessern. Hat ein Schüler
mehrmals den Trainingsraum besucht, sich aber nicht an die eigenen Vorschläge gehalten,
dann lädt der Klassenlehrer die Eltern und den Schüler zu einem gemeinsamen
Gespräch ein. Das Gespräch soll nicht dazu dienen den Eltern oder dem
Kind Vorwürfe zu machen, vielmehr wird versucht, die Gründe für das
auffällige Verhalten zu finden und Strategien zu entwickeln, wie dem
Kind geholfen werden kann.
E. Gradschareck